Eintritt frei - Spenden erbeten
Gabriel Fauré: Requiem / Harald Weiss: Requiem aeternam
Sonntag, 16. November 2025, 18.00 Uhr
Anja Petersen Sopran
Christian Immler Bass
Lambertichor Oldenburg
Sinfonietta Oldenburg
Max Barley (London) Orgel
Ching-Yi Ho Flöte
David Gutfleisch Schlagwerk
Tobias Götting Leitung
Eintritt frei – Spenden erbeten

Rezensionen
Ein Abend der meditativen Ruhe
In der Oldenburger Lambertikirche erlebt das Requiem aeternam von Harald Weiss und das Requiem op. 48 von Gabriel Faure eine tiefe emotionale Darstellung.
Volkmar Stickan in NWZ am 18.11.2025Wie der französische Komponist Gabriel Fauré (1845-1924) einmal anmerkte, sei sein Requiem op. 48 – wie er selbst – „von durchweg sanfter Stimmung“. Eine wunderschöne Musik, die aber auch leicht in Gefahr kommt, ins Langatmig-Triviale abzudriften, wenn sie nicht von solch einer Inspiration und Aussage erfüllt wird, wie jetzt bei der Aufführung in der St. Lambertikirche Oldenburg.
Es ist immer wieder überwältigend zu erleben, zu welch warmen und getragenen Klang – gerade in den Pianoregionen – und zu welch feinsten dynamischen Differenzierungen der Lambertichor unter der Leitung von Tobias Götting fähig ist. Alle rhythmischen Feinheiten, alle Klangfärbungen und dissonanten Reibungen werden hier mit größter Ruhe und beeindruckender Geschlossenheit dargestellt.
Emotionale Tiefe
Zusammen mit der Sinfonietta Oldenburg und diesem fantastischen Chor gelingt es Dirigent Tobias Götting, sowohl über dieses von großer emotionaler Tiefe erfüllte Requiem von Gabriel Faure als auch über das zuvor erklungene „Requiem aeternam“ von Harald Weiss (*1949) einen großen Spannungsbogen aufzubauen und zu halten und das Ganze mit kleinsten ruhigen Gesten musikalisch zu formen. So wird man schon bei dem von den tiefen Streichern mit erhabener Ruhe und veredeltem Klang wunderbar gestalteten „Introitus“ des Faure-Requiems in eine ganz andere von sensiblen Emotionen erfüllte Welt hineingezogen.
Sehr überzeugend gelingt das Sanctus, in dem die Harfe (Annika Wirth) und die Solovioline (Birgit Rabbels) dazukommen. Der sich nach oben öffnende und aufhellende Klang mündet in einem üppigen Hosanna-Ausbruch des Chores. Im „Agnus Dei“, in dem ganz besonders die Chor-Tenöre beeindrucken, besticht der große, üppige und erfüllte, aber immer erhabene und kultivierte Gesamtklang.
Kein Klangrausch
Das „Dies Irae“ (Tag des Zorns), das in vielen Vertonungen dieser lateinischen Totenmesse einen auswuchernden und fast zentralen Höhepunkt darstellt, gestaltet Gabriel Fauré in seinem Requiem eben nicht zu einem vordergründigen Klangrausch. Überhaupt scheint in diesem Werk die Musik immer in den Diensten der Aussage zu stehen.
Fauré wünschte sich für das Sopransolo in seinem Requiem ein „unschuldige (Knaben-) Stimme“, sowie eine Kantorenstimme für das Baritonsolo. Er hätte seine Freude gehabt, denn es ist atemberaubend, mit welcher Klarheit, inneren Ruhe und sensiblen Geschmeidigkeit – dabei von großer Ausstrahlung und Ausdruckstiefe – die Sopranistin Anja Petersen zum Beispiel das „Pie Jesu“ singt.
Christian Immler (Bariton) gestaltet seine inneren Qualen im „Libera me“ mit wunderbar klarer Stimme und ehrlichem unaufgesetzten Ausdruck. Genauso überzeugend wird von ihm auch das „Urlicht“ (aus des Knaben Wunderhorn) von Gustav Mahler (1860-1911) – von Tobias Götting an der Orgel begleitet –, das zwischen den beiden Requiems platziert ist, gestaltet.
Langer Applaus
Den Beginn macht das „Requiem aeternam“ von Harald Weiss. Eine Komposition, die von der Idee des „Loslassens“ inspiriert ist. Schon der erste Satz dieses von dem Londoner Organisten Max Barley und der fantastischen Flötistin Ching-Yi Ho mit sensiblem und nicht greifbarem tastenden Klang eingeleiteten Werkes ist mit dem Einsetzen des Chores und der sich daraus silbern erheben Stimme von Anja Petersen ein emotionaler Höhepunkt.
Harald Weiss schafft es, trotz minimalistischer kompositorischer Mittel gerade durch die Hinzunahme von Perkussionsinstrumenten (David Gutfleisch und Jana Hagemann), über sein Werk einen packenden Atembogen zu legen, der von den Ausführenden großartig gehalten wird. Nach dem Glockenläuten zum Abschluss des Konzertes gibt es von den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern einen langen dankbaren Applaus für diesen beeindruckenden meditativen Abend.
