Eintritt frei Spenden erbeten
Georg Friedrich Händel: Israel in Egypt
Sonntag, 21. Juni 2026, 18.00 Uhr
Veronika Winter Sopran
Sophia Schwab Sopran
Yongbeom Kwon Altus
Jan Kobow Tenor
Florian Hille Bass
Rainer Mesecke Bass
la dolcezza
Lambertichor Oldenburg
Tobias Götting Leitung
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Rezensionen
Was Völker und Musikfreunde hören
In der Lambertikirche erklang Händels monumentales Oratorium "Israel in Egypt". Es war ein Fest für den großen Chor der Kirche.
Horst Hollmann in NWZ am 24.06.2026Georg Friedrich Händel kannte die historische und seine aktuelle Weltlage gut. Und vielleicht hat der Weltmann weitere Entwicklungen ein bisschen geahnt. In Nummer 33 seines Oratoriums „Israel in Ägypten“ lässt er jedenfalls den Chor ansagen: „Das hören die Völker und sind erstaunt.“ Was sie vernehmen? In Kurzform gesagt: Wer Israel angreift, macht sich Gott zum Gegner! Der Komponist verkündet das mit markanten Worten – und vor allem mit einer musikalischen Wucht, die nicht alle seiner über dreißig biblischen Oratorien entfalten.
In der kühlen und gut besetzten Lambertikirche wird deutlich, warum dieses anfangs gar nicht erfolgreiche Werk in einer Entwicklung von über 250 Jahren auf eine Höhe mit dem „Messias“ gerückt ist. Eine blumige und bildreiche Sprache findet zu einer vollkommenen Einheit mit der Musik. Händel selbst scheint von der eigenen Fantasie so berauscht, dass er in jedem der beiden Teile von der Teilung des Roten Meeres berichtet. „Vom Hauch Deines Mundes zerteilten sich alsbald die Wasser, die Fluten standen aufrecht da.“ Das hat schon etwas! Und wenn die Feinde trotzdem nachsetzten? „Du ließest weh‘n Deinen Wind; und das Meer deckte sie, sie sanken wie Blei in dem mächt‘gen Wasser.“
Kantor Götting souverän
Es besteht durchaus die Gefahr, diesen Stoff zu einer erschlagenden Monumentalität aufzubauschen. Doch Kantor Tobias Götting erliegt als Dirigent dieser Versuchung nicht. Mit dem geteilt oder gemeinsam singenden mächtigen Lambertichor als Chor I und Chor II, sechs Gesangssolisten und dem Barockorchester „La Dolcezza“ in fast sinfonischer Besetzung hält er das Gleichgewicht zwischen dem Erzählton des biblischen Geschehens und den bildreichen Ausschmückungen der Musik.
Wenn im düsteren ersten Teil „Exodus“ die sieben Plagen das israelische Volk in der Fremde heimsuchen, dann trifft die Musik ins Innere. Wenn im zweiten der „Lobgesang Moses“ ausbricht, dann gehen Herzen und Sinne auf. Diese Dramaturgie baut sich in vielen Schwüngen und Nachdenklichkeit in dieser Ausführung klug und facettenreich auf.
22 reine Chorstücke
Zu 22 reinen Chorstücken rücken weitere mit einer Solostimme kombinierte. Rezitative, Arien und Duette machen nur ein Drittel aus. Wie es den Sängerinnen und Sängern und den Instrumentalisten gelingt, die Düsterkeit, die Ängste, die Zuversicht, die feierlichen Lobpreisungen und die hymnischen Strophen immer zupackender aufzubereiten, macht die Einmaligkeit dieser Aufführung aus. In der virtuosen Vier- und Achtstimmigkeit lässt der Chor keine Strukturen zerfließen. In den großen Fugen bleibt er beweglich und durchsichtig. Die Dramatik, die Kontraste, die kühnen Harmonien, alles fügt sich grandios zusammen.
Wie ein Chronist kündet Tenor Jan Kobow von der Kanzel herab vom Ablauf des Geschehens. Noch erhöhter präsentiert sich am Ende Sopran Veronika Winter von der Empore ergreifend mit dem Lob des Herrn. Drei Duette lassen inmitten allen Jubelns innehalten; die Soprane Veronika Winter und Sophia Schwab mit „Der Herr ist mein Heil und mein Lied“, die beiden Bässe Florian Hille und Rainer Mesecke mit „Der Herr ist der starke Held“; der schön fließend singende Altus Yongbeom Kwon und Tenor Jan Kobow mit „Barmherzig führest Du Dein Volk.“
Fest der Klangfarben
Das Orchester „La Dolcezza“ zu hören, ist in dieser Besetzung ein Fest der Klangfarben über alle strukturelle Sicherheit hinaus. Leiterin und Konzertmeisterin Veronika Skuplik hat zu den zu den Streichern noch Flöten, Oboen, Fagotte, Trompeten, Posaunen und Pauken gefügt. Natürlich kann eine solche Formation auftrumpfen, bilderreich die Plagen illustrieren. Aber das Ensemble hat auch großen Anteil daran, dass inmitten von auch knalligen Effekten, Jubel und Gotteslob gerade die für Händel so typischen zärtlichen Töne immer angemessen präsent sind.
