Jan Kobow Tenor
Imke Glockauer-Götting und Donate Schack Violine
Camille Saint-Saëns: Oratorio de Noël
John Rutter: Gloria (Fassung für Blechbläser & Orgel)
Anja Petersen Sopran
Katharina Hohlfeld-Redmond Mezzosopran
Ulrike Andersen Alt
Matthew Pena Tenor
Sebastian Noack Bass
Thomas Ospital (Paris) Orgel
Lambertichor Oldenburg
Sinfonietta Oldenburg
Tobias Götting Leitung
Vorverkauf ab dem 21. 10 in unseren Vorverkaufsstellen oder direkt hier im Online-Ticketverkauf

Alle Chöre lieben John Rutter und Camille Saint-Saëns. Und alle, die gediegene Musik zu schätzen wissen, lieben Chöre, die Rutter und Saint-Saëns singen. In diesem Falle sind es das „Gloria“ des Briten und das „Oratorio de Noel“ des Franzosen. Folglich ist die Lambertikirche bis fast unters Dach voll besetzt.
Die innige Zuneigung hat ihre Gründe. Die eingängigen Chorwerke von Rutter und speziell die liturgischen von Saint-Saëns erleichtern guten Chören das Einstudieren, bergen aber allerhand anspornende Herausforderungen. Aufwand und Wirkung stehen in einem idealen Spannungsverhältnis.
Dabei ist schon Rutter nicht zu unterschätzen. Kantor Tobias Götting hat seinen Lambertichor und ein größeres Blechbläser-Ensemble bestens dafür geschärft. Die rhythmischen und dynamischen Tücken schaffen keine Probleme. Ob Synkopen, Jazzanklänge oder eine weite Klangwelt zwischen feinem Raunen und raumfüllenden Ausbrüchen, alles zeigt einen Zug nach vorn oder verharrt auch in Nachdenklichkeit. Gerade der Chor mit seinen vielen jungen Stimmen lässt sich mitreißen und reißt selbst mit.
Dass das Weihnachtoratorium à la francaise in andere Sphären führt, verdeutlichen Götting und sein Pariser Kollege Thomas Ospital vierhändig und augenzwinkernd bei einem Orgel-Zwischenspiel. Die „Sonate parisienne“ von Julien Bret erzählt von Montmartre und Drehorgeln, und bringt im finalen Valse Hörerinnen und Hörer zum Mitschwingen.
So lässig wird es im „Oratorio“ dann aber nicht. Das einleitende „Prélude dans le style de Séb. Bach“ zeigt, dass der Weg nicht zu Bach führt, sondern zu einem ebenso wohligen wie animierenden romantischen Lyrismus. Das Orchester, die vorwiegend aus dem Staatsorchester besetzte Sinfonietta Oldenburg, besteht nur aus Streichern und Harfe. Götting ist ein so fundierter Kenner und Liebhaber französischer Musik, dass er die über neun Sätze fließende Melodik nie mit Zuckerguss verkleben lässt. Auch, wenn die Heiden nur kurz toben dürfen und sofort in die Schranken gewiesen werden, verniedlicht wird nichts.
Weil Polyphonie im Werk keine Rolle spielt, sind die Gesangsstimmen besonders zu charakteristischer Farbgebung herausgefordert. Neben den fünf Solostimmen steht dafür in hohem Maße der Chor. Er zeigt sich auch in der Innigkeit zupackend, entfaltet die Details plastisch und gestaltet den lateinischen Text facettenreich und hoch engagiert.
Die Solisten finden von Arien am Anfang bis zum Quintett am Ende zusammen. Beseelt und warm im Timbre zeigen sich die Stimmen von Anja Petersen (Sopran), Katharina Holhlfeld-Redmond (Mezzosopran) und Ulrike Andersen (Alt); etwas schmal der Tenor Matthew Pena, kernig der Bass Sebastian Noack.
Alles fügt sich in Lamberti zu einer fröhlichen Stimmung (und zu heftigem Applaus): Himmel und Erde finden zusammen, die höheren Mächte neigen sich herunter, die Menschen blicken beglückt hinauf. Mehr kann ein Weihnachtoratorium nicht verkünden – egal von wem zwischen Abel, Bach, Gebel, Stölzel, Telemann, Zelenka und ganz vielen anderen.