Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Anton Dvorák: Stabat mater

Sonntag, 2. April 2017, 18.00 Uhr

Angela Davis Sopran
Ulrike Andersen Alt
Mirko Ludwig Tenor
Christian Immler Bass
Sinfonietta Oldenburg
Lambertichor Oldenburg
Tobias Götting Leitung

Karten zu 25,- / 23,- / 19,- / 17,- ab dem 13. Februar bei Thye, Isensee, markt 17, LzO und hier im Online-Ticketverkauf.



Rezensionen

Jubel-Girlanden am Ende einer Passionsmusik

Stabat mater unter Tobias Götting in der Oldenburger Lambertikirche

Horst Hollmann in NWZ am 04.04.2017

Wäre jemand zufällig nur ins Finale des „Stabat mater“ von Antonin Dvorak in der Lambertikirche geraten, er würde sich verdutzt die Ohren reiben. Da winden sich unendliche Jubelgirlanden um das „Amen“, der formelle Gebetsschluss fährt im Chor geradezu Achterbahn, wirbelt in lichte Höhen, holt zwischendurch neuen Schwung. Eine Passionsmusik? Doch, wirklich!

Jeder, der ganz an der 90 Minuten füllenden Komposition teilgehabt hat, verlässt die Kirche keineswegs verwirrt. Er hat ja den Aufbau eindringlich verfolgt, von der berührenden Schmerzlichkeit des Leidens der Mutter beim Kreuz bis zu den Höhen der zuversichtlichen Gebete: „Fac, ut animae donetur paradisi gloria. Amen – gib, dass der Seele verliehen werde, des Paradieses Herrlichkeit.“

Lamberti-Kantor Tobias Götting hat das oratorische Werk in zehn Teilen, das 1880 Dvoraks Weltruhm begründete, mit großer Überzeugungskraft verlebendigt. Obwohl fast alle Sätze ein Andante-Tempo verlangen, erliegt er nie der Gefahr, Eintönigkeit oder verwischende Zartheit herauf zu beschwören. Aber er überzeichnet auch nichts bei aller akribischen Detailarbeit.

Es bleiben zwei einnehmende Eindrücke: Zum einen der von Zielstrebigkeit, die Trauer, Schmerz und Melancholie immer ihre Zeit lässt. Zum anderen der von lebhaftem melodischen Fließen, ohne zu schwelgen, gerade in den Abschnitten „Tui nati vulnerati“ und „Fac me vere tecum flere.“

Zu gleichen Teilen ist das große Ensemble an Eindringlichkeit und Griffigkeit der Bilder beteiligt. Die großorchestral besetzte Sinfonietta mit Instrumentalisten aus Staatsorchester, Deutscher Kammerphilharmonie und weiteren Oldenburger und Bremer Musikern entfaltet bei aller nötigen Routine eines solchen Zusammenspiels Transparenz, dynamische Sicherheit und farbliche Reichhaltigkeit.

Die prächtigen Solisten bringen neben empfindsamer Lyrik auch das Volumen und die Differenzierungen mit, die ihre ausschreitenden Partien verlangen: Angela Davis (Sopran), Ulrike Andersen (Alt), Mirko Ludwig (Tenor), Christian Immer (Bass).

Und vor allem: Der Lambertichor! Dvorak und Götting verlangen ihm zwischen Innigkeit und Ausbrüchen viel ab, fordern in unvermittelten A-Cappella-Einwürfen intonatorische Sicherheit. Alles bleibt natürlich, auch bei mancher Wucht zwischendurch, und auch über die Länge immer unter Hochspannung und sauberer Deklamation. Der Beifall hält lange an.

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