Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Bach & Frankreich

Sonnabend, 9. Mai 2015, 18.00 Uhr

Linien zu Bach III

Werke von Couperin, Francoeur, Leclair und Bach (Sonate h-moll für Violine & obligates Cembalo)

Volker Mühlberg Barockvioline

Tobias Götting Cembalo & Orgel

Eintritt frei – Spenden erbeten



Rezensionen

Wenn aus drei Noten ein Dutzend wird

Bach für Violine und Cembalo

Horst Hollmann in NWZ am 11.05.2015

Wenn der Komponist Francois Couperin im 17. Jahrhundert mit dem Ehrentitel „Le Grand” bedacht wurde, dann müsste sein Onkel Louis, nur 35 Jahre alt geworden, folglich „Der Kleine” gewesen sein. Ziemlich daneben, diese Annahme. Da widerspricht Tobias Göttingund bricht eine Lanze für den zurückgestuften Couperin.

Der Kantor der Lamberti- Kirche hält den zahlreichen Hörern im Lambertussaal die Noten des Franzosen hin: Ein einfaches Strickmuster, schlichte Tonhöhen, ungefähre Werte, keine Taktstriche. Doch wenn Götting die dürren Angaben von Louis auf dem Cembalo umsetzt, dann verwandeln sie sich dramatisch. Wo drei Töne stehen, können schnell ein Dutzend erklingen. Man muss die Verzierungen und Floskeln eben selbst hinein improvisieren – und sich zwischendurch streng an exakt festgelegte Abschnitte halten.

Nun steht das Prélude en ré mineur von Louis Couperin (1626 – 1661) nicht im Mittelpunkt der dritten Folge von „Wege zu Bach”, einer hoch informativen Reihe von Kammermusik. Doch das Werk erhellt, in welchem Spannungsfeld zwischen freier Experimentierfreude und streng einzuhaltenden Formvorschriften der junge Johann Sebastian hin und her gerüttelt wurde. Beim Herzog von Celle hatte er um 1702 erfahren, wie exakt die Verzierungen nach dem „frantsösischen Geschmacke” in einem Codex festgelegt waren. Dagegen brandeten aber schon die Wellen aus Italien, die im lockeren neuen Gusto die steif wirkenden Tänze aus Versailles überspülten.

Grandios lässt der Barockgeiger Volker Mühlberg dieses Jahrhundert-Duell der Musik lebendig werden. „Bach und Frankreich” ist die Weiterführung der vorherigen Folge „Bach und Italien“. In den Rahmen von Bachs Sonaten für Violine und Cembalo G-Dur BWV 1021 und h-Moll BWV 1014 passen der Konzertmeister und Violindozent in Leipzig und Hildesheim und Götting stilistisch gemischte Sonaten ein: Von Francois Francoeur in g-Moll mit einem weit ausgesponnenen Rondeau, von Jean-Marie Leclair in Es-Dur.

Mühlberg erweist sich als Kenner und mitreißender Praktiker. Strichdruck, Strichlänge, konsequente Linienführung gerade in den langsamen Sätzen, Detailachtung, tonliche Delikatesse, artikulatorische Abstimmung: Alles bringt er scheinbar ungezwungen ins Gleichgewicht. Der Cembalist ist ein mitatmender Partner, der ebenso spontan wie kontrolliert gestaltet. Und der Geiger schont weder sich selbst noch sein Instrument, wenn es ihn über alle Vorsicht hinaus mitreißt. Im Vivace der Leclair-Sonate strapaziert er die Saiten bis hinter die Grenze der Intonationssauberkeit. Selbst das hat etwas höchst Authentisches.

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