Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Barockmusik zum Ausklang der Ferien

Sonntag, 5. August 2018, 17.00 Uhr

333 Jahre Freude

Joh. Seb. Bach
Violinkonzerte a-Moll, E-Dur und Doppelkonzert d-Moll
sowie Concerti von Antonio Vivaldi

Johannes Pramsohler  Violine
Christoph Heidemann  Violine
Fiori Concertati
Matthias Hengelbrock  Leitung

Eintritt frei – Spenden erbeten

Fiori


Rezensionen

Frischer Wind weht in St. Lamberti bis unters Dach

Horst Hollmann in NWZ am 07.08.2018

Zur Musik von Johann Sebastian Bach gibt es viele Versuche von Erklärungen. Etwa die der Weltklasse-Geigerin Hillary Hahn: „Bach hat alle Veränderungen der Welt ohne Schaden überstanden. Es ist eine zeitlos große Musik.“ Ja! Und so grübelt man nach dem Hörerlebnis seiner drei authentischen Violinkonzerte in der Lambertikirche über der schönen Frage: Passt sich diese Musik jeweils der Zeit an, also auch der heutigen, oder richtet sich der Zeitgeist nach ihrer alten Kunst? „333 Jahre Freude” heißt schließlich die Reihe entsprechend dem Geburtsjahr Bachs 1685.

Wie wenig das zu greifen ist, zeigt mitreißend das Spiel des Solisten Johannes Pramsohler aus Paris und des in Wilhelmshaven ansässigen und mit Oldenburger Kräften angereicherten Ensembles Fiori Concertati. Matthias Hengelbrock leitet von der Violine aus die Formation von fünf Streichern, deren Continuo-Gruppe neben dem Cello aus Fagott, Orgel und Cembalo besteht. Da wären die langsamen Sätze in den Solokonzerten a-Moll (BWV 1041), E-Dur (BWV 1042) und im Doppelkonzert d-Moll (BWV 1043/mit Christoph Heidemann 2. Violine). Zügig gehen die Musiker sie an, doch die Musik wirkt so intensiv und expressiv ausgesungen, wie es langsamere und romantisierende Umsetzungen selten vermochten. Da wäre auch die Klangtransparenz. Der virtuose Solopart verschmilzt bei Pramsohlers Stradivari viel stärker mit den Ensemblestimmen, trotzdem hebt er sich transparent ab. Die Fiori spielen in einer wundervollen Balance von Spontaneität und Beherrschtheit. Die Noten sprudeln, als sei die Musik gerade frisch erfunden, auch in zwei zum Luftholen gedachten schnurrenden Concerti ripieni von Antonio Vivaldi. Im Gegensatz zu Barock-Radikalisten setzen die Musiker aber die Akzente selten harsch. Sie hecheln bei aller Behändigkeit nicht atemlos die Auf- und Abstiege hoch und runter. Ihr Spiel wirkt harmonisch und klanglich ausgewogen. Dass der im Continuo-Spiel schon mal rumpelige Kontrabass durch ein Fagott ersetzt ist, lässt viele Passagen regelrecht federn, etwa im Finalsatz im a-Moll-Konzert. Die Musiker jagen keine steife Brise durch St. Lamberti. Aber sie treiben einen frischen Wind bis in die letzten Winkel.

Das ist auch nötig, denn die Kirche ist bis unters Dach besetzt, am Ende gibt es nur noch Stehplätze. Die gedruckten Programme reichen sowieso nicht. Kantor Tobias Götting gibt zu: „Mit diesem Ansturm haben wir nie gerechnet.“ Schön so.

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