Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Don Carlo GESUALDO: Motetten Francis POULENC: Quatre motets pour un temps de pénitence

Sonnabend, 17. März 2007, 18.00 Uhr

Capella St. Lamberti Oldenburg
Leitung: Tobias Götting
Eintritt frei – Kollekte erbeten



Rezensionen

Vokalmusik zur Passionszeit hat viele Gesichter

KONZERT Capella St. Lamberti Oldenburg singt Motetten von Don Carlo Gesualdo und Francis Poulenc

Werner Matthes in NWZ am 18.03.2007

OLDENBURG – Don Carlo Gesualdo, Fürst von Venosa (1566-1613), ebenso berühmt als Komponist komplexer Madrigale und Motetten wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten; Francis Poulenc (1899-1963), der sich das Etikett ?Mönch und Taugenichts? einmal selbstironisch verpasste (er spielt damit an auf die Spannung zwischen dem geistreichen, unterhaltsamen Tausendsassa innerhalb der französischen Komponistengruppe der ?Six? und einer Gläubigkeit, der von den drei�iger Jahren an raffiniert schlichte Vokalmusik zu verdanken ist): Tobias Götting und die Capella St. Lamberti Oldenburg haben den Renaissance-Komponisten und den gemä�igten Modernisten jetzt eindrucksvoll gegenübergestellt. Denn beide haben Responsorien für die Karwoche vertont, und im Falle von Gesualdo ist es wahrscheinlich dessen bedeutendstes Werk. Bei Gesualdo lie�en Pathos und Tragik der Texte, des ?Passionsdramas?, Motetten entstehen, die noch heute eigentümlich modern sind: fast visionär in der ?dramatischen? Kunst des unerwarteten Tonarten-Wechsels, der rhythmischen Kontraste und der flexiblen Dynamik, des farbigen harmonischen Vokabulars, der Chromatik und heftigen Dissonanzen, in der bildhaften Textdeutung und den emotionalen Höhenflügen, bei denen die Betroffenheit des Komponisten gleichsam mitkomponiert ist. In Poulencs ?Quatre motets pour un temps de pénitence?, distanziert-kunstvoll im madrigalistischen Stil wie in der ganz und gar eigenen Deutung des Textes (?Tenebrae factae sunt?), suggestiv im Einsatz expressiver Melodik und gelegentlich dissonierender, aber auch schlicht aparter Harmonik, überwiegt das homophone gegenüber dem polyphonen Prinzip. Deren Wiedergabe war zugleich Auftakt des gro�en Poulenc-Projekts an St. Lamberti (am 15. April und 6. Mai). Die Premiere der Poulenc-Oper ?Die Gespräche der Karmeliterinnen? im Staatstheater (27. April) ist bei all dem ein hochwillkommener Zufall. Gesualdos und Poulencs Motetten verlangen, jeweils auf ganz verschiedene Weise, ein Höchstma� an stimmlicher Beweglichkeit, Intonationssicherheit und Ausdrucksintensität, an Reinheit und Farbigkeit von Wort und Ton. Die Capella St. Lamberti, ein hochqualifiziertes Solisten-Ensemble, hat diesen nahezu universalen Anspruch (auch in Gabrielis Motette ?Timor et tremor?, Ersatz für das bei Gesualdo fehlende Stück) aufs Schönste erfüllt. Tobias Götting, ?Mit-Sänger? und Spiritus rector des Ganzen, steuerte am Cembalo Proben von Frescobaldis figurations- und verzierungsreicher Toccaten-Kunst bei.

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