Musik in St. Lamberti Oldenburg
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DRESDNER KREUZCHOR Von Bach bis zur Moderne

Freitag, 12. Januar 2007, 19.30 Uhr

Leitung: Kreuzkantor Prof. Roderich Kreile
Kreuzorganist Holger Gehring, Orgel
Kartenvorverkauf im Hörbuchladen Thye und hier im Online-Ticketverkauf



Rezensionen

Zwischen Ernst und Sangesfreude

Dresdner Kreuzchor begeistert nach 50 Jahren in der Lambertikirche

Horst Hollmann in NWZ am 15.01.2007

OLDENBURG – Gro�e Musikereignisse können Gemeinsames so entwickeln, dass es nicht banal wirkt und Gegensätzliches so lösen, dass sich die Frage nach dem Trennenden gar nicht mehr stellt. Der Auftritt des Dresdner Kreuzchores in der übervoll besetzten Oldenburger Lambertikirche zählte zu jenen Glücksfällen. Müheloses Textverständnis, volle Atemstützung eines jeden Bogens, ein ungezwungenes Auf- und Abschwellen der Dynamik, ein jederzeit dichter, volltönender, aber in der Linienziehung äu�erst reiner Klang kennzeichnen die Kunst des 750 Jahre alten Knabenchores. Die Kruzianer gastierten schon einmal in Oldenburg – vor genau 50 Jahren und einem Monat, damals unter Kreuzkantor Erhard Mauersberger. Inzwischen ist der Chor, der meistens mit 80 Sängern auf Tournee geht, in bayrischer Hand. Roderich Kreile, der 28. Kreuzkantor, wirkte bis zum Wechsel 1996 nach Dresden vorwiegend in München. Der 50-Jährige erweist sich als ein Pädagoge und Interpret mit plastisch formenden Gesten, der die neun bis 19 Jahre alten Sänger in einer fordernden Spannung zwischen tiefer Ernsthaftigkeit und einnehmender Freude am Singen hält. Musikalische Gegensätze verwischen dabei, ohne zu Monotonie zu verführen. Felix Mendelssohn setzt einen solchen, obwohl er sich in seinen A-Capella-Werken fälschlicherweise in der Nachfolge von Heinrich Schütz fühlte. Aber Schützens Motette ?Tröstet mein Volk?, eingangs noch etwas matt dargeboten, erreicht eine ungemein prägnantere musikalische Ausdeutung der Worte als Mendelssohns Psalmvertonung ?Warum denn toben die HeidenŤ?. Doch von der gezwungen pietistischen Haltung des Romantikers und der etwas einfachen Harmonik lie�en die Dresdner nichts spüren. Wundervoll aufeinander auf bauten zwei Werke von Cesar Franck. Kreuzorganist Holger Gehring nutzte auf der Lamberti-Orgel die Fülle an Klangkombinationen, um den Choral Nr. 1 in E-Dur ohne undurchsichtige Verdickung darzustellen, ihm aber nicht die mystische Komponente zu rauben. Das folgende ?Dextera Domini? des Franzosen sah den Chor auf dem Gipfel seiner Verkündigungskraft. Es gab im vielfältigen Programm noch Werke von Johann Sebastian Bach, Anton Bruckner, Benjamin Britten, Trond Kverno, Francis Poulenc und Jules von Nuffel. Und der beigeisterte Beifall der Oldenburger zeigte dem Chor an: 50 Jahre sollte es nicht wieder bis zum nächsten Besuch dauern!

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