Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Joh. Seb. Bach: Cellosuiten im Lambertus-Saal

Sonnabend, 8. Februar 2020, 17.00 Uhr

Fabian Boreck  Violoncello

Eintritt frei- Spenden erbeten



Rezensionen

Solist zeigt im Lambertus-Saal seine Spielfreude

Christoph Keller in NWZ am 10.02.2020

Als Anna Magdalena Bach die erste Abschrift der sechs Violoncello-Suiten ihres Ehemanns Johann Sebastian Bach anfertigte, ahnte noch niemand, dass diese Kompositionen einmal richtungweisende Meilensteine in der Violoncello-Konzertliteratur werden würden. Die Originale des Meisters gingen verloren und ein heutiger Interpret kann zwischen zahlreichen Ausgaben wählen, die manche ergänzt und weiter ausgearbeitet haben. Auch mit der adäquaten Auswahl des Instruments für diese Werke ist es nicht so einfach: Entweder nimmt man etwas altes Neues (nach historischem Vorbild aufgearbeitet) oder etwas neues Altes (nach historischer Vorlage).

Fabian Boreck, stellvertretender Solocellist des Oldenburgischen Staatsorchesters, entschied sich beim Konzert am Samstag im Lambertus-Saal für ein von Konrad Stoll gebautes Barockcello. Dieses Instrument klang wohltönend und sonor in den Bässen und sehr filigran und klar in der Höhe. Die Darmsaiten entwickelten einen eigenen, ihnen typischen Klang, welcher bei schnellen Bewegungen zudem eine leicht perkussive Note bekam.

Auf dem Programm waren die erste und die dritte Suite, ergänzt von drei Werken damaliger Zeitgenossen Bachs. Hier gefiel besonders die mit zahlreichen Spielfiguren gespickte Sonata in a-Moll von Domenico Galli. Diese in der Renaissance-Musik charakteristischen freien Spielgesten waren auch der interpretatorische Ansatz für Fabian Borecks individuelle Bach-Interpretation. Mit einer unbändigen Spielfreude gestaltete er die einzelnen Suitensätze. In den beiden Präludien arbeitete er den ursprünglichen improvisatorischen Ansatz aufs Feinste heraus.

Es war beeindruckend zu erleben, wie Bach im Präludium der dritten Suite aus einer schlichten absteigenden C-Dur Tonleiter einen ganzen Kosmos von sich entfaltenden Klängen entwickelte und wie Boreck diese Klangkathedralen zu feurigem Leben erweckte. Bei den unterschiedlichen Tanzsätzen waren dem Interpreten weniger die stilisierten alten höfischen Tänze wichtig, sondern eher ein immer lebendiges, in das Wesen der Komposition blickendes, Musizieren. Bei der oft vorhandenen Mehrstimmigkeit lauschte Boreck den einzelnen Melodielinien mit sicherem Gespür nach und hielt dabei auch schon mal inne, um dem Satzbild genügend Raum zu geben.

Tobias Götting sagte bei der Begrüßung angesichts des vollbesetzten Lambertus-Saals: „Bach geht anscheinend immer“. Ergänzend hierzu sei gesagt: Bach, gespielt von Boreck, sehr individuell und aufschlussreich, also absolut empfehlenswert.

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