Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Johann Sebastian Bach: Die Kunst der Fuge

Sonnabend, 10. April 2010, 17.00 Uhr

Lambertus-Saal

La Dolcezza mit Veronika Skuplik
Tobias Götting, Cembalo



Rezensionen

Von der Notentüftelei zur lebendigen Musik - Konzert

"La Dolcezza" und Tobias Götting spielen Bachs "Kunst der Fuge" im voll besetzten Lambertisaal

Horst Hollmann in NWZ am 12.04.2010

Oldenburg – Vielleicht hätte Johann Sebastian Bach in späteren Zeiten das Kreuzworträtsel erfunden oder in heutigen die ganz neue ?Str8ts?- Tüftelei. Doch seinerzeit 1750 lie� er seine Umwelt über ebenso rätselhaft wie logisch ineinander verschränkte musikalische Linien und Verknüpfungen grübeln. Doch seine ?Kunst der Fuge? ist kein abstrakter Turmbau für Denksportler, sondern lebendige Musik ? was vier Streicher vom Barockensemble ?La Dolcezza? und Cembalist Tobias Götting im vollbesetzten Lambertisaal eindringlich bewiesen. Den alten Bach trieb bis zuletzt die Suche nach immer neuen kontrapunktischen Verknüpfungen um, nach einem umfassenden Lehrwerk über Themen, die durch mehrere Lagen laufen, sich treffen, sich entfernen, stehen bleiben, weglaufen, sich verschlingen. Der ?Kunst der Fuge? bescherte es den Mythos, ein klangfernes Werk zu sein, reine Augenmusik nur zum Notenlesen. Doch die strenge Struktur lässt belebend Spielraum für vielschichtige Interpretationen. Veronika Skuplik (Violine), Judith Steenbrink (Violine/Viola), Werner Saller (Viola), Albert Brueggen (Cello) und Götting fordern die Hörer eineinhalb Stunden hart, aber musikalisch erfüllend. Sie meiden jeden Versuch, Nuancen und Gewichte übermä�ig zu betonen, um sie nachdrücklich hervorzuheben. Sie artikulieren diskret, aber deutlich, eher klar als wuchtig. Zudem feilen sie sorgfältig an den Details. Die Bindungen der Achtel- und Sechzehntelnoten im Contrapunctus II beachten sie; dem ?Stylo Francese? in Nummer VI werden sie durch feine rhythmische Pointierungen gerecht. So legen sie eine Aura intensiv gesponnener Nachdenklichkeit über die Musik. Über Jahrhunderte hat sich der falsche Mythos gehalten, dass der fast blinde Bach über der Niederschrift der Tripelfuge ?vom Tode überraschet worden? sei. Im letzten Moment habe ?der seelige Mann in seiner Blindheit einem seiner Freunde einen Kirchenchoral aus dem Stegreif in die Feder diktiert?. Natürlich wissen die Oldenburger Musiker, dass Bach hernach noch die Reinschrift seiner h-Moll- Messe begonnen hat; den besagten Choral hat er früher verfasst. Doch sie stellen dieses ?Vor deinen Thron tret? ich hiermit? als Nachklang dazu. Und das bildet ? Mythos hin, Mythos her ? einen wundervoll runden Abschluss.

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