Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Johann Sebastian BACH Johannes-Passion

Sonntag, 2. März 2008, 18.00 Uhr

Veronika Winter, Sopran
Vanessa Barkowski, Alt
Jan Kobow, Tenor
Jörg Hempel, Bass
Christian Immler, Bass
Lambertichor Oldenburg
La Dolcezza Oldenburg
Leitung: Tobias Götting



Rezensionen

Eindrucksvolle Töne für die persönliche Ewigkeit

Bachs Johannespassion in Oldenburgs Lamberti-Kirche Leitung Tobias Götting

Horst Hollmann in NWZ am 04.03.2008

OLDENBURG – Das kirchliche Umfeld mag Johann Sebastian Bach daran gehindert haben, Opern zu komponieren. Dabei zeigte er sich dieser Musikgattung nicht abgeneigt, wie Opernbesuche in Dresden belegen. Welch opernhafte Dramatik durchzieht die Passionen! Aber eine Realisierung wie die der Johannespassion unter Tobias Götting in der Oldenburger Lambertikirche verneint jeden Zwang zu einer illustrativen Gestaltung. Diese Musik wirkt derart suggestiv, dass eine Visualisierung ihre Aussagekraft nur schwächen würde. Der Kantor setzt seine theologischen und musikalischen Aussagen ohne jede Extreme um. Extrem bewegt ist nur sein Lambertichor, extrem bewegend das zusätzlich mit Gambe und Kontrafagott bestückte Barockorchester La Dolcezza von Veronika Skuplik, extrem berührend das Solisten-Quintett. Göttings Botschaft ist die erwartete ? und trotzdem auf diese Art erneut bereichernde: Hier erklingen Töne, die für eine persönliche Ewigkeit halten, obwohl sie im Raum gleich verhallen. Wenn der heikle Eingangs- chor gelingt, weicht die Anspannung rasch einer Freude am beweglichen, durchsichtigen, ausgewogenen Singen. Die Chorsätze steuern einen enormen Teil dazu bei, die dramatischen Züge zu betonen. Die Turbae, jene Ausbrüche der unmittelbar am Geschehen beteiligten Menschenmassen, kommen entschieden heraus. Das ist keine äu�ere Aufgeregtheit, die auf Dauer ermüden würde. Das aufwühlende Geschehen zieht sich auch durchs Orchester. Von den pointierten Sechzehnteln der Streicher im ?Herr, unser Herrscher? über die bis zum Hauch feinen Violinbegleitungen bis zum leidenschaftlichen Dreinfahren zur Arie ?Eilt, ihr angefochtnen Seelen? bleibt die Deutlichkeit im Instrumentalpart vorbildlich. Der Evangelist trägt den Hauptteil der Erzählung und Kommentierung. Jan Kobow gibt einen eher referierenden Zeitzeugen, der locker singt, intelligent gestaltet und nur im Mittelteil seine Kräfte haushaltend zurücknehmen muss. Der Sopran von Veronika Winter spricht natürlich an; Vanessa Barkowskis Alt ist hell timbriert, Christian Immler bringt einen kernigen Bass ein, während Jörg Hempels pastorenhafter Jesus, anders als in der Matthäuspassion, wirklich nicht von dieser Welt ist. In Lamberti hat der Kantor seine Vorstellung von Bach. Aber damit fühlt er sich nicht im Besitz der Wahrheit, er spürt offenbar vielmehr den Ansporn, den Komponisten immer wieder neu zu fragen.

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