Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Johann Sebastian BACH Weihnachtsoratorium I – III

Freitag, 20. Dezember 1996, 20.00 Uhr

Hedwig Westhoff-Düppmann, Sopran
Franziska Gottwald, Alt
Henning Kaiser, Tenor
Markus Theil, Baß
Oldenburger Lambertichor
Concerto Farinelli auf historischen Instrumenten
Leitung: Tobias Götting



Rezensionen

Musikalischer Einstand mit Bach

Lamberti-Chor singt unter dem neuen Kantor Tobias Götting das Weihnachtsoratorium

Werner Matthes in NWZ am 23.12.1996

Man braucht Bachs Weihnachtsoratorium, das in wechselnder Zusammenstellung seiner sechs Kantaten derzeit an sieben Stellen des Oldenburger Landes erklingt, nicht neu zu entdecken. Man hat um so mehr vom Einstand des neuen Kantors an St. Lamberti, Tobias Götting, zu berichten, der seine Feuerprobe mit diesem Werk in der vollbesetzten Kirche trefflich bestand. Götting, mit dem Lamberti-Chor schon in der kurzen Zeit seines hiesigen Wirkens spürbar verwachsen, hatte die ersten drei Kantaten zu den Weihnachtstagen gewählt. Die Aufführung war (um das Ergebnis vorwegzunehmen) in ihrer Geistigkeit, ihrer Geprägtheit vom Wort her und ihrer bewusst dienenden, ganz und nur dem Werk hingegebenen Haltung unverkennbar vom klaren und überlegenen Gestaltungswillen des Dirigenten geprägt. Götting sieht auf straffe, dennoch von innen erfüllte Zeitmaße, auf genaue, atmende Phrasierung im Ganzen wie im Detail, er sieht auf Bildkraft (der großen Chöre) und Ausdruck. Die Choräle werden dynamisch fein und „richtig“ differenziert. Und schließlich: Er hält ein schönes Gleichgewicht zwischen kammermusikalischer Transparenz und gewinnender Ausstrahlungskraft. Gewinnend, denn am Ende der Aufführung (der Schlußsatz wurde wiederholt) war die freudig bewegte Stimmung, die endlich einmal an das Weihnachtsfest als Fest der Freude erinnert, allgemein.
Götting dirigiert nicht unbedingt virtuos (was kein Fehler ist), aber präzise, werkgerecht, grundmusikalisch. Der Chor – homogen, warmherzig leuchtend und sauber im Klang, beweglich und locker in der Diktion – folgte ihm mit hohem Engagement. Der Chor-Tenor hat an Profil entschieden gewonnen. Im Sopran gab es nur noch einzelne Stellen, die etwas glanzlos gerieten.
Von jungen Stimmen war das Solisten-Ensemble geprägt: Hedwig Westhoff-Düppmann (Sopran), die ihren Part technisch verläßlich und sympathisch fein, im Ausdruck ein wenig zurückhaltend sang. Franziska Gottwald (Alt), die vor allem die nicht gerade einfache Arie „Schlafe, mein Liebster“ wunderbar schlicht und intensiv gestaltete, nur in unterer Lage ein wenig an stimmlicher Tragfähigkeit vermissen ließ. Henning Kaiser, der die Evangelistenpartie und Arie („Frohe Hirten“) sehr souverän, mit angenehm klarem und beweglichem, nur vereinzelt etwas zur Überakzentuierung neigendem Tenor interpretierte. Martin Kränzle (Baß), der kurzfristig eingesprungen war und seine Partie (bei aller gelegentlich spürbaren Herkunft von der Oper) stimmlich wie musikalisch makellos und eindrucksvoll meisterte.
Das Kammerorchester „Concerto Farinelli“, das auf historischen Instrumenten musizierte, erwies sich, über alle kompetente Behandlung vor allem der Blasinstrumente hinaus, als ein Ensemble von höchst lebendiger Stilsicherheit und scharf konturiertem farbigen Klang – der so sinnlich gegenwärtig war, daß ihm, bei aller geprägten Eigenart, nichts Antiquiertes anhaftete. Großer Beifall.

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