Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Komponistenportrait Francis POULENC

Sonntag, 15. April 2007, 18.00 Uhr

Zu Leben und Werk des Pariser Komponisten

Liederzyklus „Banalités”
Trio für Oboe, Fagott und Klavier
Salve Regina, Exultate Deo
Bild- und Tondokumente
Ausführende:
Capella St. Lamberti Oldenburg
Samuel Gille, Oboe
Jens Pfaff, Fagott
Maja Fluri, Sopran
Tobias Götting, Klavier und Moderation



Rezensionen

Charaktermischung aus Mönch und Strolch

MUSIK Kantor Götting zeichnet ein Porträt des Komponisten Francis Poulenc

Horst Hollmann in NWZ am 17.04.2007

OLDENBURG – Nicht nur Serge Prokofieff hat der musikalischen Inspiration von Joseph Haydn gehuldigt wie in der populären ?Symphonie classique?. Das Trio für Klavier, Oboe und Fagott von Francis Poulenc ist weit weniger bekannt, aber es strotzt fast noch mehr vor haydnschem Witz, Spielfreude, Humor und Hintersinn. Das jedenfalls vermittelten Samuel Gille (Oboe) und Jens Pfaff (Fagott) mit diesem Schlusswerk eines Portraits des französischen Komponisten (1899-1966) durch Kantor Tobias Götting (Klavier) in der sehr gut besetzten Lambertikirche. Poulenc, eines der namhaftesten Mitglieder der neufranzösischen Gruppe ?Les Six? mit dem Schriftsteller Jean Cocteau als anregendem Geist, erlebt in Oldenburg eine Hochkonjunktur. Im Gro�en Haus des Staatstheaters steht am 27. April, 19.30 Uhr, die Premiere der Oper ?Les dialogues des Carmélites? (Gespräche der Karmeliterinnen) an. Am 6. Mai, 19 Uhr, präsentiert Götting in St. Lamberti das Stabat Mater, das umfängliche Gloria G-Dur und die Sinfonietta. Schillernd wie seine Musik geriet das sorgfältig inszenierte Komponistenportrait, das Poulenc auch in einem Film zeigte. Mit einer ?Mischung aus Strenge und Nachsicht? habe er seine Werke geschaffen, erklärt er selbst. Götting beschreibt das Janusköpfige in Poulenc als Kombination von ?Mönch und Strolch?. In der Tat zieht sich durch seine Orchester- und Kammermusik sowie durch das ausgedehnte Liedschaffen als roter Faden der Versuch, ein Gleichgewicht von Gefühl und Vernunft herzustellen. Der Kantor konnte sich bei der musikalischen Demonstration auf die ebenso engagierte wie sichere Unterstützung durch die Capella St. Lamberti und die Sopranistin Maja Fluri verlassen. Die Sängerin etwa traf sehr gut die von der Groupe des Six angestrebte ?Clarté? und ?Elégance? im Liederzyklus ?Banalités?, leicht süffig, parfümiert, aber stets unaufdringlich und trotzdem elektrisierend. Bei Poulenc führt, das zeigten die Live- und Tonträger-Beispiele, das Ausspielen von Gegensätzen nicht in den Konflikt sondern eher zur Abwechslung. Aber hinter allen mit scheinbar naiver Freude abgewandelten tradierten Formen verbirgt sich im Grunde ein Melancholiker. Und es wird in den anstehenden gro�en Aufführungen ein anregendes Unterfangen, die vielen feinen Schattierungen hinter dem scheinbar Fröhlichen zu entdecken.

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