Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Michael Praetorius: MICHAELISVESPER

Sonntag, 12. Oktober 2008, 17.00 Uhr

 

Vokalsolisten
Knabenchor Hannover
Echo-Preisträger Klassik 2006
Hille Perl, Gambe
Gambenconsort Sirius Viols
Johann Rosenmüller Ensemble
Bremer Lautten-Chor
Leitung: Prof. Jörg Breiding
Kartenvorverkauf im Hörbuchladen Thye und hier im Online-Ticketverkauf



Rezensionen

Globalisierte Kunst schon in der Renaissance

Knabenchor singt Vesper nach Praetorius in St. Lamberti von "absonderlichen Orten" aus

Horst Hollmann in NWZ am 14.10.2008

OLDENBURG – Moderner Globalisierungsstolz kann ganz schön alt aussehen. Dann etwa, wenn man ihn vergleicht mit jenem staunend machenden Kulturaustausch über Länder und Kontinente im 16. und 17. Jahrhundert. Man musste dazu nicht unbedingt beschwerlich reisen. Der Komponist Michael Prätorius (1572-1621) kam gar nicht nach Italien. Aber genial verschmolz er die Elemente der venezianischen Mehrchörigkeit mit dem lutherischen Choral zur gro�en Form des Choralkonzerts. Die in der Lambertikirche aufgeführte ?Michaelisvesper? beweist auf grandiose Weise, dass Praetorius eine eigenständige und eigenwillige Persönlichkeit war. Er war ein kritischerer Querdenker und vielseitigerer Neuerer, als es sein schlichtes Weihnachtslied ?Es ist ein Ros entsprungen? vorgeben könnte. Um korrekt zu sein: Eine in sich geschlossene Komposition unter diesem Namen gibt es beim Wolfenbütteler Kirchenkomponisten nicht. Jörg Breiding hat aus Psalmenvertonungen, Motetten und Geistlichen Konzerten einen Vespergottesdienst rekonstruiert. ?Zum Michaelistag hätte er durchaus so erklingen können?, sagt der Leiter des Knabenchors Hannover. Dieser Tag, an dem der Erzengel Michael den Teufelsdrachen in die Hölle stürzte und damit die Finsternis überwand, zählte einst zu den wichtigsten Festtagen im Kirchenjahr. Breidings sehr professioneller Chor trägt in Lamberti die Hauptverantwortung für die eineinhalbstündige Musik. Das ist ein Ensemble von exzellenter Stimmkultur, bei dem kleine Schwankungen wohltuend jede Glätte verhindern. Neugier klingt ebenso wie Demut aus den Klängen. Und wenn der Tenor Manuel König an Ruhepunkten deklamiert, scheint die Zeit ihren Lauf anzuhalten. Zum Chor tritt ein bunt schillernder Instrumentalkreis: das von Hille Perl angeführte Gambenconsort Sirius Viols, Lee Santanas Bremer Lautten Chor, die Johann-Rosenmüller-Bläser. Die vom Gesamtchor abgespaltene kleine Schola, Solisten und die Instrumentalisten sind ständig in St. Lamberti unterwegs, um von ?absonderlichen Orten? aus umhersirrende Klang- und Echowirkungen zu erzielen. Fantastischen Raumklang mit prunkvoller Musik von allen Emporen gab es in der Renaissance eben nicht nur in Venedig, sondern auch in Norddeutschland. Er ist sogar am chinesischen Kaiserhof dokumentiert. Die Kunst lebte eben damals schon in einer globalisierten Welt.

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