Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Adventskonzert Schütz, Reger, Brahms

Sonntag, 6. Dezember 1998, 18.00 Uhr

Demantius Chor Oldenburg
Leitung: Tobias Götting



Rezensionen

Chorisches Singen mit viel Kultur

Tobias Götting leitet den Demantius Chor Oldenburg Adventskonzert in St. Lamberti

Werner Matthes in NWZ am 08.12.1998

Ein besonders schönes Programm mit selten zu hörenden Chor- und Orgelwerken bot der Demantius Chor Oldenburg in seinem Adventskonzert unter der Leitung von Tobias Götting. Seit einem Jahr wird der Chor (der seit seiner Gründung 1973 durch sechs verschiedene ?Hände? ging) von dem Kantor und Organisten an St. Lamberti geleitet; er zeigte sich als ein stimmlich sehr hochwertiger, von Götting äußerst sorgfältig geschulter Klangkörper, der keine technischen Schwächen, keine Unebenheiten der Intonation kennt und neben stilistischer Vielseitigkeit viel Lebendigkeit, natürliche Musikalität und Klangkultur demonstriert.
Da gelang jedes Werk. An diesem Abend waren es A-cappella-Kompositionen von Schütz, Reger, Brahms und Poulenc so vital und klar, ausdrucksvoll und jenseits aller Stilprobleme „richtig“, wie es gemeint ist; die beredte Polyphonie der Adventsmotetten aus der „Geistlichen Chormusik 1648“ von Heinrich Schütz wurde ebenso getroffen wie der weiche Glanz, die Bewegtheit und zarte Innigkeit der Weihnachtsmotetten von Francis Poulenc (die manchmal freilich weniger innig und spirituell als geschmäcklerisch wirken). Max Reger, mit seinem schlichten, zu Herzen gehenden Chorsatz „Unser lieben Frauen Traum“ (op. 138) vertreten, erinnerte wieder einmal daran, dass es für das geistliche Chorwerk dieses bedeutenden Komponisten zwischen den Zeiten in Oldenburg einen erheblichen Nachholbedarf gibt.
Von Johannes Brahms gab es die schöne, an barocken Vorbildern orientierte Motette „O Heiland, reiß die Himmel auf“, deren technischer Anspruch, einschließlich bachischer Koloraturen, trefflich eingelöst war.
Die französischen Orgelwerke spielte Tobias Götting technisch höchst souverän und mit ungewöhnlicher musikalischer Intelligenz in Aufbau und farbiger Registrierung: Couperins freundliche, reich verzierte und rhythmisch pikante Sätze aus der „Messe pour les paroisses“ (im dialogisierenden ersten Satz mit angemessen prägnantem Trompeten-Effekt); danach drei von insgesamt neuen Meditationen des Zyklus „La Nativité du Seigneur“ (Die Geburt des Herrn) von Olivier Messiaen (1936), deren subtile Klangphantasien und verblüffende Farbigkeit, aber auch Attribute ruhevoller Versenkung eindrucksreich dargestellt waren. Souveräne Überschau über die Form und perfekte Phrasierung der Einzelheiten gehen bei Götting stets Hand in Hand. Davon profitierten an diesem Abend sehr unterschiedliche Werke.

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