Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Georg Friedrich HÄNDEL ORATORIUM Israel in Egypt

Sonntag, 28. Juni 1998, 20.00 Uhr

Helga Pappert, Sopran
Uta Kirsten, Sopran
Werner Buchin, Altus
Jan Kobow, Tenor
Volker Paulsen, Baß
Torsten Gödde, Baß
Barockorchester Concerto Farinelli
Lambertichor Oldenburg
Leitung: Tobias Götting



Rezensionen

Bildmächtigkeit und chorische Klangpracht

Händels Oratorium ?Israel in Ägypten? in englischer Sprache ? Oldenburger Erstaufführung in St. Lamberti

Werner Matthes in NWZ am 30.06.1998

?Israel in Ägypten?, das Chor-Oratorium par excellence, wie die meisten auf dem Theater aus der Taufe gehobenen Oratorien Händels eine eher weltliche Komposition, mit einem aus alttestamentlichen Texten von Händel selbst zusammengestellten Libretto, ist in Oldenburg eindrucksvoll erstaufgeführt worden. Von den ? nicht minder zeitkritisch deutbaren ? oratorischen Vorgängern , etwa dem biblischen Königsdrama ?Samson?, unterscheidet sich ?Israel? besonders durch die nicht rollenbezogene Funktion der Solisten, die an dem von Chorsätzen überragten Werk nur geringen Anteil haben. Die chorische Dominanz hat ihre Bedeutung darin, da� nicht ein individuelles Geschick (etwa Moses? und Aarons), sondern der Exodus eines ganzen Volkes aus dem Land seiner Knechtschaft erzählt wird. Doch gerade die Überpräsenz der Chöre behinderte 1739 eine breitere Wirkung des Werks: Händels Zeitgenossen vermi�ten besonders im ersten Teil, dem gro�en Tableau der zehn ägyptischen Plagen, solistische Einlagen.Derlei Probleme brauchten der Oldenburger Lambertichor und das Barockorchester Concerto Farinelli nicht zu fürchten. Sie präsentierten Händels Oratorium in einer Aufführung von hohem Rang ? vor allem wenn man die Schwierigkeiten bedenkt, ein nichtvisuelles Drama fast nur auf chorischen, freilich vom Orchester begleiteten Einsatz stützen zu müssen.Instrumentalensemble und ein durch klangliche Ausgewogenheit, hohe Präsenz und Klangpracht glänzender Chor erstellten ein farbenprächtiges Fresko von Leid und Befreiung des israelischen Volks und den über die feindlichen Ägypter hereinbrechenden Gottesstrafen. Die Beschreibung der Fliegenplage, wo plastische Chorblöcke von sirrenden Streicherfiguren kommentiert werden, der berühmte Hagelchor, dessen gewaltig polternde Unwetter-Pose schon zu Händels Zeit als Vorbild wuchtiger Naturschilderung galt, wurden ?packend? zur Sprache gebracht.Im zweiten Teil, von eher beschaulicherem, ethisch motiviertem Inhalt geprägt ? die aus ?Moses‘ Lobgesang? entnommenen Worte sind gleichsam Erinnerungen des geretteten und und befreiten Volkes ? , dominiert breite Feierlichkeit (die jedoch die erfahrenen Nöte nicht vergi�t), entsteht Raum für Soloarien und Duette (teils nicht abgedruckt), die das vorige Geschehen gleichsam ?rekonstruieren?.Treffliche Solostimmen standen für die vergleichsweise kleinen solistischen ?Einlagen? zur Verfügung: der geschmeidige, leuchtende Altus von Werner Buchin, der mit bestechender Klarheit und beachtlichem Volumen singende Tenor Jan Kobow, die markanten, koloraturenfesten Bassisten Volker Paulsen und Torsten Gödde, die etwas unterschiedlich timbrierten klaren Soprane von Helga Pappert (sehr gewinnend im Lobgesang der Prophetin Mirjam) und Uta Kirsten.Leiter der Aufführung (in englischer Sprache) war Lamberti-Kantor Tobias Götting. Durch ihn in erster Linier erhielt sie Stil und Format, straffe Konturen und Bildmächtigkeit, Spannkraft und edlen begeisterten Schwung, wenn man von einigen etwas zu langen Pausen zwischen den Chören absieht. Stürmischer, anerkennender Beifall.

Chor bewältigte hohe Herausforderung glänzend

Ovationen für Oldenburger Erstaufführung von Händels ?Israel in Ägypten? in St. Lamberti

Monika Stockhausen in Evangelische Zeitung am 30.06.1998

In England zählt ?Israel in Egypt? (Israel in Ägypten) neben dem ?Messiah? zu den beliebtesten und am häufigsten aufgeführten Oratorien Georg Friedrich Händels. In Oldenburg allerdings, so Kantor Tobias Götting, ist das monumentale Chorwerk bislang noch nicht erklungen. Da� es auch in dieser Region hoffentlich bald heimischer werden möge, ist nach der glanzvollen Oldenburger Erstaufführung in der St.-Lamberti-Kirche durch den Oldenburger Lambertichor, sechs Gesangssolisten und das Barockorchester Concerto Farinelli unter Leitung von Tobias Götting sehr zu hoffen.Allerdings ist es kein leichtes Vorhaben für den Chor, dessen Rolle in diesem Stück als Vermittler des Geschehens, als Interpret hymnischer Lob- und Dankgesänge ins Ungeheure wächst. Händels monumentaler Chorstil, der hier den Weg aus der düsteren Hoffnungslosigkeit der Unterdrückung des Volkes Israel, der musikalischen Bildhaftigkeit der Schilderung der sieben ägyptischen Plagen, des Durchschreitens durch die von Gott geteilten Meeresfluten nachzeichnet, stellt eine gro�e Herausforderung für die Choristen dar.Die Sängerinnen und Sänger des Oldenburger Lambertichores stellten sich zusammen mit dem bestens aufspielenden Barockorchester Concerto Farinelli erfolgreich der gro�en Herausforderung der Interpretation dieses Werkes. Denn neben der Darstellung tonmalerischer Gebilde von grö�ter Eindringlichkeit und Dichte gerieten den rund 100 Sängerinnen und Sängern unter Leitung von Tobias Götting auch der hymnische Jubel und die dankbar zurückschauende Betrachtung der wunderbaren Errettung aufs trefflichste. Die Verwendung der präzise artikulierten englischen Originalsprache erhöhte durch die Übereinstimmung von sprachlichem und musikalischem Rhythmus die Wirkung des gro�en Chöre, aber auch der mit Solisten besetzten Rezitative, Arien und Duette beträchtlich.Auch wenn es für die Riege der sechs Solistinnen und Solisten nicht allzuviel zu tun gab, so sorgten diese für weitere Glanzlichter der prachtvollen Aufführung: So gefiel Jan Kobos mit schlank geführter, sowohl lyrischer wie dramatischer Tenorstimme, Werner Buchin überzeugte mit makellosem, wunderbar rundem Countertenor auch in Spitzenlagen der Alt-Partie, die beiden Bassisten Volker Paulsen und Torsten Gödde breiteten vor allem in ihrem prächtigen Duett Klangfülle und stilsichere Verzierungskunst aus, die beiden Sopranistinnen Helga Pappert ? die insbesondere am Schlu� des Werkes den Lobgesang Miriams eindrucksvoll zu gestalten wu�te ? und Uta Kirsten wetteiferten in ihrem Duett um Brillanz und Leuchtkraft.Für alle Beteiligten gab es reichlich Beifall und Ovationen am Ende eines glanzvollen Oratorienabends.

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