Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem Richard Strauss: Vier letzte Lieder

Sonntag, 12. November 2017, 18.00 Uhr

Johanna Winkel  Sopran
Sebastian Noack Bariton
Sinfonietta Oldenburg
Lambertichor Oldenburg
Tobias Götting Leitung

Karten zu 25,- / 23,- / 19,- / 17,- ab dem 4. September bei Thye, LzO, Isensee, markt 17 sowie im Online-Ticketverkauf über diese homepage.

Rezensionen

Große Freude über Brahms-Requiem in St. Lamberti

Reinhard Rakow in NWZ am 15.11.2017

Fast wäre „Ein deutsches Requiem“, das große Trost-Oratorium des Johannes Brahms, das Werk, mit dem ihm der Durchbruch als Komponist gelingen sollte, 1868 in Oldenburg zur Uraufführung gelangt. Allein der Umstand, dass der Oldenburger Singverein damals, so die Einschätzung seines Freundes Albert Dietrich, den Schwierigkeiten der Partitur nicht gewachsen war, brachte Oldenburg um diese Ehre. Gesetzt den Fall, die Zeit sei aufzuheben: Hätte Brahms den Lambertichor Oldenburg von 2017 zur Verfügung gehabt, die Causa hätte sich anders entwickelt. Mehr noch: Mit ein wenig Realitätssinn hätte Brahms womöglich sogar das Dirigat Tobias Götting überlassen, neben dessen Effizienz und Eleganz er nur die schlechtere Figur hätte abgeben können.

Lambertichor und Sinfonietta Oldenburg, Johanna Winkel, Sopran, und Sebastian Noack, Bariton, zelebrierten im voll besetzten Rund der St. Lamberti-Kirche ein Requiem, das keine Wünsche an Gestaltung und Ausdruck, Präzision und Dynamik, Beweglichkeit und Eindringlichkeit offen ließ. Der bestens aufgelegte Chor und das vorzüglich mit ihm interagierende Orchester gestalteten Inniges innig, Düsteres düster, Mächtiges mächtig in Atem raubender Geschmeidigkeit, bald monoton, leise, verhalten und stockend, bald vielstimmig, vielfarbig die Leuchtkraft der Höhen wie den Abgrund der Tiefen kraft- und lustvoll auskostend.

Man gebot über ein schier grenzenloses Spektrum interpretatorischer Mittel – vom behutsamsten De- und Crescendo bis zur unvermittelten Forte-Attacke, von verführerisch Lyrischen bis zum „denn der Tod ist verschlungen“!-gewaltigen Triumphruf „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“, während Götting souverän darüber wachte, dass der bei Brahms nicht selten schmale Grat zwischen Strahlend und Sämig nie verlassen wurde.

Sonderlob gebührt dem Chor für seine über alle Register und Lautstärken gleichbleibend gute Textverständlichkeit. Sorgfältig artikuliert, klug phrasiert, konnten die vom religiösen Querdenker und Bibelkenner Brahms zusammengemixten Texte so eine unprätentiös ansprechende Überzeugungskraft atmen, die dieser homogenen Aufführung Gerüst und Gepräge bescherte.

Vor dem Brahms-Requiem standen die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss auf dem Programm, mit ihrem Vermächtnischarakter und Klangraffinement ein sinnfällig eleganter Auftakt. Sopranistin Winkel punktete schon hier mit Stimmgröße, Bariton Noack später mit Verständlichkeit. Das Publikum feierte alle, beide Solisten, den Chor, Orchester und Götting, mit langem Applaus. Und während die einen, noch klatschend, den Parkplätzen entgegeneilten, summten andere beglückt Brahms-Melodien; Freude herrschte allenthalben.

Clara Schumann schrieb 1868 nach der später (leider!) in Bremen erfolgten Uraufführung in ihr Tagebuch: „Es war wie ein Fest.“ Gesetzt den Fall von oben: Wie recht sie doch gehabt hätte!

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