Musik in St. Lamberti Oldenburg
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Wiebke Lehmkuhl (Alt) & Sarah Tysman (Klavier)

Sonnabend, 4. November 2017, 17.00 Uhr

Liederabend im Lambertus-Saal

Werke von Johannes Brahms

Eintritt € 20,-, Vorverkauf nur über markt 17 (Infozentrum in der Lambertikirche) ab dem 11. September sowie an der Tageskasse ab 16.15

Rezensionen

Beglückender Zusammenklang im Lambertus-Saal

Andreas R. Schweiberer in NWZ am 06.11.2017

Wenn drei solistische Könner für sich erfolgreich unterwegs sind, muss das noch lange nicht heißen, dass sie miteinander harmonieren. Die Altistin Wiebke Lehmkuhl, der Bratschist Andreas Willwohl und die französische Pianistin Sarah Tysman sind Koryphäen auf ihrem Gebiet und von der Elbphilharmonie über Bayreuth, Salzburg und Wien auch auf CD-Aufnahmen vertreten. Im Lambertus-Saal der Lamberti-Kirche gaben sie gemeinsam einen einstündigen Liederabend von seltener Dichte und Geschlossenheit.

Bis auf das umjubelte Encore von Richard Strauss, „Ich trage meine Minne“, entstammten alle anderen dreizehn Lieder der Feder von Johannes Brahms. Die von Wiebke Lehmkuhl innig, beseelt und geradezu mitfühlend gesungenen Kleinoden, wie das melancholisch-zurückgenommene „Über die Heide“ nach einem Gedicht von Theodor Storm oder das düstere „Auf dem Kirchhofe“ nach einem Text von Detlev von Liliencron, entfalteten im Kleinen einen Reigen an Nuancen und Differenzierungen. Wenn auch mehrere Lieder am Block gesungen und gespielt wurden, stach ein jedes ganz eigen und ganz charakteristisch heraus und wurde von der Altistin wie auch von Sarah Tysman, die viel mehr als nur eine „Begleiterin“ war, als Einzelnes, für sich Stehendes, Individuiertes behandelt. Bezeichnenderweise gehörten die dreizehn Lieder auch zehn verschiedenen Werkgruppen an, waren also nach Qualität und Ausdrucksgehalt, und nicht nach Reihung und Vollständigkeit ausgewählt.

Ganz im Sinne des Brahmsschen spätromantisch-entsagenden Ausdruckskosmos wurden auch die vier „Märchenbilder“, op. 113 von Robert Schumann subtil und geradezu kongenial in Szene gesetzt mit einem technisch brillanten und stimmungsgesättigten Zusammenspiel von Bratsche und Klavier. Nicht Märchen wurden erzählt, sondern mit Einfühlung und einem Quentchen Glück wurde eine märchenhafte Stimmung getroffen und weitergetragen.

Es ist vielleicht willkürlich und ungerecht, ein oder zwei Lieder aus diesem beglückenden Liederabend herauszuheben, aber die „Zwei Gesänge für Altstimme, Viola und Klavier“, op. 91. mit der „Gestillten Sehnsucht“ nach einem Gedicht von Friedrich Rückert und dem bekannten „Geistlichen Wiegenlied“ nach der Vorlage von Emanuel Geibel ließen ein traumwandlerisch dichtes Trio hören und eine Bratsche, die mit einer Leichtigkeit und Finesse agierte, als wäre sie fürs deutsche Kunstlied obligatorisch gesetzt und gar nicht wegzudenken. Das abschließende „Geistliche Wiegenlied“ ist für ein Kind, das einschlafen soll, einfach zu exaltiert, zu schwärmerisch: Es ist ein dichtes, ein starkes poetisches Bild, dass vielleicht doch einmal noch alles gut werden könne. Dafür muss die kompositorische und die darstellerische Kraft vorhanden sein – sie war es diesmal!

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